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TRP #36 - EXPO REAL 2026 - Sonderfolge

Shownotes

Wie belastbar ist der Optimismus auf der Expo Real 2026? Sandra Hochleitner und Alexander Budasch verbinden ihren Messerückblick mit Interviews aus der Immobilienwirtschaft.

Die Themen der Sonderfolge:
- Zinsen und Preise: Warum Finanzierungskosten und unterschiedliche Preiserwartungen Transaktionen erschweren – und Eigenkapital einen Vorteil bieten kann.
- Assetklassen im Vergleich: Hohes Interesse an Wohnimmobilien, ein differenziertes Bild bei Büro und Logistik sowie Zurückhaltung bei Handelsimmobilien.
- Büro und KI: Längere Prüfungs- und Entscheidungsprozesse bei Anmietungen und Unsicherheit über den künftigen Flächenbedarf.
- Datencenter: Hohe Nachfrage trifft auf Fragen zu Stromversorgung, Infrastruktur, Kapitalbedarf und Regulierung.
- Zinshäuser und Distress: Chancen durch Verkaufsdruck und gefallene Preise sowie Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland aus Sicht eines Investors.
- Logistik: Ein Investor erläutert seine Einordnung des Marktzyklus und warum attraktive Einstiegspreise nicht automatisch eine schnelle Erholung bedeuten.

Außerdem geht es um Sport- und Freizeitangebote als Bestandteil multifunktionaler Immobilienprojekte. Die Messeinterviews sind mit dem originalen Hintergrundgeräusch der Expo Real zu hören.

Transkript anzeigen

00:00:05: Herzlich willkommen zu unserer mittlerweile alljährlichen Sonderfolge zur Expo Real.

00:00:11: Ich habe heuer leider nicht persönlich dabei sein können. Umso mehr interessiert mich das Stimmungsbild, das Alexander mitgenommen hat.

00:00:19: Er hat sich auch die Mühe gemacht und auf der Expo wieder einige Damen und Herren aus der Immobilienwirtschaft interviewt.

00:00:29: Ja, Alexander, es interessiert mich jetzt wirklich brennend.

00:00:31: Ich habe auf LinkedIn schon ein paar Posts gelesen, da ist es aber hauptsächlich um irgendwelche Side-Events gegangen, wenn ich ehrlich bin, und nicht um Inhalte.

00:00:38: Also, was kannst du sagen?

00:00:40: Wie war die Stimmung, wie war die Besucheranzahl?

00:00:44: Hat das Expo-Bingo funktioniert?

00:00:53: Ja, liebe Sandra.

00:00:54: Sehr gerne habe ich dich vertreten – auch mit ein paar Fragen und Beiträgen, die wir dann im Anschluss senden. Insgesamt war es sehr differenziert. Zunächst einmal:

00:01:06: Das Wetter war viel, viel besser, eigentlich sogar traumhaft.

00:01:10: Es war spätsommerlich, kein Wind.

00:01:15: Das hat die Sache etwas angenehmer gestaltet, weil letztes Jahr, wie du weißt, Regenwetter war. Und zu deiner ersten Frage, der Besucheranzahl: Da gibt es einen leichten Anstieg.

00:01:27: Ich habe etwas von über 40.000 gelesen.

00:01:30: Und wenn sich das dann auf die Hallen und den Freibereich verteilt, ist es etwas angenehmer als nur in den Hallen.

00:01:37: Mit der Organisation bin ich nach wie vor unzufrieden, weil es wirklich viel zu wenig Infrastruktureinrichtungen gibt, insbesondere Sanitäranlagen, aber auch Sitzmöglichkeiten im Freien. Das werde ich entsprechend deponieren.

00:01:56: Aber aus Sicht des Veranstalters ist es sicher eine erfolgreiche Veranstaltung.

00:02:00: Was jetzt die Stimmung betrifft: Wir werden es dann auch in den Beiträgen hören. Man muss differenzieren zwischen dem, was vor einem Mikrofon gesprochen wird, und dem, was nicht vor einem Mikrofon gesprochen wird.

00:02:12: Wir haben durchaus ein paar kritische Beiträge. Insgesamt gibt es doch einen Optimismus, der jedoch sehr stark von ein, zwei oder drei großen Themen

00:02:29: überschattet wird.

00:02:30: Entschuldigung –

00:02:31: ein Zweckoptimismus

00:02:32: oder wirklicher Optimismus?

00:02:34: Das ist jetzt genau der Punkt.

00:02:36: Ich denke, es ist ein Zweckoptimismus.

00:02:38: Ein sehr dominierendes Thema in den Gesprächen war die Zinsentwicklung.

00:02:47: Eigentlich gehen alle Marktteilnehmer, mit denen ich gesprochen habe, davon aus, dass wir heuer und wahrscheinlich auch Anfang des nächsten Jahres noch Zinsschritte sehen werden – wenn auch nur im üblichen beziehungsweise gewohnten Ausmaß, also in kleineren Dosen von 25 Basispunkten.

00:03:07: Das ist etwas, das eigentlich alle Themen und Gespräche ein bisschen überstrahlt.

00:03:14: Denn steigende Finanzierungskosten sind, wie wir wissen, für die Investitionstätigkeit nicht wirklich förderlich. Und bei den Immobilienrenditen ist korrespondierend dazu nicht zu erwarten, dass diese ebenso relativ rasch ansteigen.

00:03:35: Das dämpft sicher die Investitionserwartungen.

00:03:40: Das ist also das übergelagerte Thema der Zinsen.

00:03:44: Was die Assetklassen betrifft, ist es sehr differenziert – von sehr positiv bis zurückhaltend beziehungsweise eher negativ.

00:03:52: Sehr positiv wird die Assetklasse Wohnen und alles, was damit zusammenhängt, gesehen – trotz der politischen Themen in Österreich, Stichwort Eingriffe bei Mieten, und auch in Deutschland mit den jüngsten

00:04:15: Wahlergebnissen. Dennoch sind der Investorenappetit und das Interesse für Wohnimmobilien sehr, sehr hoch.

00:04:22: Das muss man ganz klar sagen.

00:04:25: Wahrscheinlich steht diese Assetklasse auf der Pole Position, ganz einfach aufgrund des enormen Bedarfs, wie wir wissen,

00:04:32: und der geringen Neubautätigkeit.

00:04:36: Dann würde ich beispielsweise Logistik nennen; Datacenter vielleicht noch als eigene Antwort dazu.

00:04:48: Logistik eher seitwärts. Am unteren Rand des Interesses liegen die Assetklassen Büro und Handel.

00:04:59: Büro wird allerdings nicht so negativ gesehen wie Handel. Bei Handel

00:05:05: ist es wirklich so, dass ich kaum Gespräche geführt habe, bei denen ich den Eindruck bekommen habe, dass

00:05:12: das im Fokus des Investoreninteresses steht.

00:05:16: Bei Office ist das etwas besser.

00:05:18: Zumal wir ja die Situation haben, dass kaum neue Projekte auf den Markt kommen und es daher gerade für gute Produkte in guten Lagen einen Markt gibt.

00:05:29: Bei Handel gibt es einfach eine sehr hohe Sättigung und gleichzeitig die Probleme des stationären Handels.

00:05:37: Auch wenn – für mich überraschend – viele Retailer, ob große Lebensmittelkonzerne oder Fast-Food-Konzerne, prominent auf der Messe vertreten

00:05:48: waren. Vom Investoreninteresse her liegt Retail aber eher am Ende.

00:05:57: Wie ist die allgemeine Marktstimmung?

00:06:02: Wie lange glauben die Marktteilnehmer beziehungsweise

00:06:05: die Expo-Teilnehmer, dass diese Stagnationsphase, die wir durchlaufen, noch andauert, bis das Ganze wieder Schwung aufnimmt?

00:06:14: Durch die Zinsentwicklung wird es wahrscheinlich noch dauern, nehme ich an.

00:06:18: Aber gibt es irgendeine Prognose oder irgendein Gefühl? Mit

00:06:22: dem Begriff Zweckoptimismus hast du es eigentlich perfekt getroffen.

00:06:27: Man darf ja nicht vergessen: Diese über 40.000 Menschen, die dort sind, haben alle einen Job, gehen ihrer Arbeit nach und treiben das Thema sozusagen mit.

00:06:42: Was ich damit sagen will: Es wird weitergehen und es muss weitergehen.

00:06:47: Aber ich sehe aus den Gesprächen keine Aufbruchsstimmung oder Boom-Stimmung im Sinne von:

00:06:57: Das ist jetzt eine positive Marktphase, die uns da entgegenkommt.

00:07:04: Wir haben ja oft im Podcast über das Thema „neue Realität“ gesprochen. Ein Eindruck hat sich über die ganze Messe gezogen:

00:07:19: Wir sind immer noch in der Anpassungsphase.

00:07:21: Das

00:07:21: heißt, die Unternehmen – und damit meine ich Investoren und Dienstleister – passen sich an die aktuelle Situation an.

00:07:29: Das betrifft einerseits die Zinslandschaft, andererseits auch die Nachfrage nach bestimmten Assetklassen.

00:07:42: Ein Spezialthema waren sicher KI und Datacenter, die wir ja auch laufend im Podcast bearbeiten.

00:07:53: Bei KI konnte ich zumindest in den Off-Gesprächen klar heraushören, dass gerade im Bürobereich Entscheidungen für Anmietungen durch das ganze Thema der digitalen Disruption verzögert werden.

00:08:09: Das heißt, es werden auch keine langfristigen Entscheidungen getroffen, bei denen es darum geht, sich mit einem Büro langfristig an einen Standort zu binden. Da ist eine gewisse Zurückhaltung, weil noch nicht klar ist, wie viele Arbeitsplätze durch KI

00:08:26: wegfallen werden. Datacenter

00:08:29: habe ich auch aus unseren spannenden Podcastserien mitgenommen.

00:08:36: Da habe ich eigentlich keine wirklich kritischen Stimmen vernommen, was vor allem einen physischen Engpass betrifft.

00:08:46: Auch wenn man gezielt nach dem Thema fragt, sind die meisten Marktteilnehmer noch optimistisch, dass zumindest kurz- bis mittelfristig die Verfügbarkeit von Infrastruktur, Energie und Grundstücken gegeben ist.

00:09:06: Ich habe da, wie gesagt, eher einen skeptischeren Ansatz. Aber das ist sicher ein Thema.

00:09:13: Generell muss ich sagen: AI und Datacenter werden allgemein noch eher oberflächlich

00:09:20: behandelt. Es gibt wohl tolle Experten, die auch auf der Messe waren, aber in den Gesprächen hatte ich das Gefühl, dass noch nicht wirklich Klarheit darüber herrscht,

00:09:33: in welche Richtung es geht und wie sich das auf die Immobilienwirtschaft auswirken wird –

00:09:38: vor allem AI in Bezug auf Büro- und auch andere Nutzungsformen.

00:09:45: Mir ist heute eine andere Assetklasse wieder einmal aufgepoppt, und zwar Sportstätten.

00:09:52: Hat man auf der Expo irgendetwas zum Thema Sportstätten

00:09:56: mitbekommen? Padel-Courts und so weiter

00:09:59: werden ja immer prominenter, und immer mehr davon sind ja auch Immobilien.

00:10:03: War davon auf der Expo

00:10:07: etwas mitzukriegen? Vielleicht noch kurz ein internationaler Blick.

00:10:11: Ich war auf ein paar Ständen, die internationale Standorte und sehr große multifunktionale Projekte vertreten.

00:10:22: Das Thema Sport spielt in großen Developments schon eine sehr wichtige Rolle, gerade in Verbindung verschiedener Nutzungsklassen.

00:10:34: Das scheint mir ein großer Trend zu sein. Wenn man sich große Projekte anschaut – ich rede von Projekten in Spanien und im Mittleren Osten, die auf der Messe vertreten waren –,

00:10:51: dann werden Immobilien dort offenbar noch multifunktionaler, als wir das bisher kennen.

00:10:58: Ein Beispiel: Ein Hotel ist fast ohne Konferenznutzung nicht mehr wegzudenken.

00:11:05: Bei großen Entwicklungen sind natürlich auch Recreation und Sport Themen, die dazugehören.

00:11:15: Auch im Office-Bereich habe ich dort das Thema aufgeschnappt, dass man nach dem Motto „Wie bringen wir das Personal wieder zurück ins Büro?“ mehr Angebote schaffen muss, vor allem für junge Mitarbeiter, damit sie wieder ins Büro kommen.

00:11:30: Padel war jetzt nicht unbedingt das konkrete Thema, aber es braucht möglichst viele

00:11:38: Freizeitnutzungen, die mit Büro verbunden sind, um die Attraktivität des Arbeitsplatzes sicherstellen zu können.

00:11:48: Padel ist mir außerdem aufgefallen, weil das wirklich ein internationaler Trend ist.

00:11:54: Ich war jetzt ein paar Tage im Ausland in Osteuropa und auch dort: Padel-Courts, und alle suchen irgendwie Flächen, wo man Padel-Courts machen kann. Und auch bei der älteren Tennis-Generation, wie bei mir, scheint sich dieser Sport mittlerweile durchzusetzen.

00:12:12: Also eine spannende neue Assetklasse, die du da ansprichst.

00:12:16: Ja. Hast du noch irgendetwas, das du uns unbedingt mitgeben möchtest,

00:12:20: oder sollen wir uns die Interviews anhören?

00:12:24: Ich würde sagen, hören wir uns die Interviews an. Und ich darf mich gleich vorweg entschuldigen: Ich habe mich dazu entschlossen, den Messe-Sound, den typischen Messe-Sound, wieder nicht zu entfernen.

00:12:35: Wir könnten das natürlich bearbeiten, machen es aber nicht, damit auch ein bisschen authentisches Messegefühl rüberkommt.

00:12:44: Perfekt!

00:12:44: Danke dir. Stefan Wierzbinski,

00:12:48: WALTER REAL ESTATE.

00:12:50: Was ist so der erste Eindruck?

00:12:51: Die Messe ist erst ein paar Stunden alt. Dynamisch wie immer. Ob diese Dynamik die nächsten Tage hält, werden wir sehen. Ich bin bis Mittwochmittag da. Aber die ersten Gespräche haben schon am Montagvormittag stattgefunden, und da sind wir durchaus positiv gestimmt.

00:13:06: Wie die allgemeine Lage ist, vor allem bei den deutschen Kollegen, werden wir sehen.

00:13:09: Wir haben noch mehr Gespräche Richtung Deutschland, und da bin ich selber schon gespannt.

00:13:15: Die gesamte Lage ist nicht ganz einfach, wie alle wissen: mit gestiegenen Zinsen, zurückhaltenden Investoren und Transaktionen, die nicht auf Rekordniveau sind. Aber tatsächlich nichts Neues.

00:13:26: Also wird es eine Herausforderung hier in München. So, wir stehen jetzt mittlerweile im Freien bei strahlendem Sonnenschein.

00:13:33: Das Wetter ist bestens. Danke, lieber Stefan!

00:13:37: Stefan Neubauer, Senior Banker Real Estate, Bank Austria, allen Hörern bekannt als einer unserer Gäste.

00:13:45: Lieber Stefan, die Messe ist noch sehr jung. Deine ersten Eindrücke?

00:13:49: Der neue Realismus ist angekommen. Alle Leute wollen, aber man einigt sich nicht auf Preise. Es ist konstruktiv, und man versucht, mit der neuen Zinslandschaft umzugehen.

00:14:00: Ja, genau.

00:14:02: So, ich darf hier mit Nadja Hafez-Hofmair zusammenstehen – Gratulation zum Cäsar, also dem anderen Immobilien-Oscar – und mit Markus Mendel. Quasi geballtes Investmentvolumen versammelt.

00:14:19: Liebe Nadja, bist du heute gerade gekommen oder

00:14:22: warst du gestern schon da?

00:14:24: Erster Eindruck oder Eindrücke?

00:14:26: Ja, es gibt schon viele Eindrücke.

00:14:28: Ich würde sagen, es sind alle in der neuen Realität angekommen, und es gibt immer noch Möglichkeiten, Deals zu machen.

00:14:35: Man muss nur die richtigen Stakeholder finden.

00:14:40: Darf ich nach unserem Pain kurz fragen, also nach den Herausforderungen? Was wäre die größte Herausforderung, die du im Moment für das Geschäft und auch für die Gespräche auf der Expo

00:14:53: siehst? Grundsätzlich die Zinsentwicklung und die damit einhergehenden Preiserwartungen.

00:14:59: Und ja, das ist nicht immer bei jedem Projekt zusammenzubringen.

00:15:02: Danke. Lieber Markus, vielleicht auch dich

00:15:04: ganz kurz zur Zinsfrage: Ihr macht im Moment auch sehr große Transaktionen. Spürt man das auch in der

00:15:11: Yield? Zeichnet sich da etwas ab?

00:15:13: Wir wissen ja, wir brauchen überall einen gewissen Abstand.

00:15:15: Wenn man fremdfinanziert, wird sich bei der Yield etwas Richtung aufwärts tun?

00:15:23: Ich glaube, man hat es in der Vergangenheit schon gesehen.

00:15:25: Die Yield bewegt sich natürlich entsprechend des Zinssatzes, das korreliert natürlich miteinander, insbesondere für die Investoren.

00:15:30: Fremdfinanzieren ist teurer geworden in der Vergangenheit.

00:15:34: Das merkst du natürlich in den Zinssätzen, das ist klar. Und ich glaube, wenn man sich die letzten paar Monate mit zwei Zinsschritten anschaut, dann ist die Richtung klar vorgegeben. Gleichzeitig ist es für jene, die mit Eigenkapital finanzieren, natürlich ein Vorteil: Sie brauchen keine Finanzierung – im Vergleich zu jenen, die sie brauchen und bei denen die Banken lange benötigen, um die Finanzierung darzustellen. Daher glaube ich: Cash is King.

00:16:01: Das habe ich schon einmal in einem Interview gesagt, und das gilt auch weiterhin, insbesondere wahrscheinlich für die weiteren Monate. Dr.

00:16:10: Karl Derfler, ADEQAT.

00:16:14: Lieber Charlie, danke, dass du ganz kurz Zeit hast. Die

00:16:17: Messe ist erst zwei Stunden alt – deine ersten Eindrücke dennoch? Eigentlich eine gute Stimmung. Natürlich weiß man nie, ob sie echt ist oder nicht.

00:16:27: Mir selber macht es einen Riesenspaß, muss ich ganz ehrlich sagen, obwohl ich ja eigentlich in Pension sein sollte. [unverständlich]

00:16:36: Ja, genau, das passt eigentlich nicht?

00:16:39: Also, ich glaube, es wird lässig.

00:16:42: So, ich freue mich, dass Alexandra Bauer kurz Zeit hat,

00:16:47: führende Büroflächenmaklerin von EHL.

00:16:51: Liebe Alexandra, Büro ist in aller Munde, auch aufgrund der digitalen Transformation und Disruption.

00:16:58: Merkst du da etwas in den Gesprächen auf der Messe?

00:17:00: Dass die potenziellen Mietinteressenten verhaltener sind?

00:17:05: Also grundsätzlich beobachten wir schon seit den letzten drei Jahren, dass sämtliche Immobilienentscheidungen sehr viel genauer, professioneller und umfassender geprüft werden.

00:17:15: Das hat natürlich zur Folge, dass Anmietungsentscheidungen auch sehr viel länger dauern als früher.

00:17:20: Vor zwei, drei Jahren haben wir gesagt: Für einen Abschluss zwischen 500 und 1.000 Quadratmetern brauchen wir drei bis sechs Monate, und für alles darüber hinaus bis zu einem Jahr.

00:17:32: Mittlerweile hat sich das komplett geändert.

00:17:34: Sogar bei kleinen Abschlüssen haben wir Vermietungszeiträume von deutlich über einem Jahr.

00:17:39: Also sämtliche Immobilienentscheidungen werden ganz genau geprüft, und die Baukosten werden noch einmal geschätzt, noch einmal optimiert.

00:17:47: Das sehen wir bei allen Beteiligten.

00:17:49: Ja, ich bin da eingeladen von Drees & Sommer und darf mit dem Geschäftsführer von Drees & Sommer Österreich, Georg Stadlhofer, zusammensitzen.

00:17:57: Wir nehmen uns einen Tisch – der ist so eine Art Schachuhr wie bei den Schachweltmeisterschaften.

00:18:01: Es ist unglaublich.

00:18:03: Viele sprechen hier von der Krise, aber der Drees-&-Sommer-Stand ist bis jetzt für mich einer der meistbesuchten.

00:18:09: Lieber Georg, danke, dass du ganz kurz für mich Zeit hast.

00:18:13: Wir haben in The REAL Pain jüngst Datacenter-Folgen gehabt, wir haben auch über Robotik und so weiter gesprochen.

00:18:20: Ich glaube, ich darf sagen, Drees & Sommer spielt da auch eine gewisse Expertenrolle.

00:18:27: Kannst du uns kurz allgemein sagen, was euch da so herumtreibt?

00:18:31: Hallo, lieber Alexander!

00:18:32: Ich freue mich, dass du da bist.

00:18:34: In der Tat ist bei uns einiges los, worüber ich mich sehr freue. Der Stand ist voll, und das macht ja auch Spaß auf der Expo, dass man einfach ganz viele spannende Gespräche führt.

00:18:46: Im Bereich Datacenter haben wir in den letzten Jahren sehr viel gemacht. Der limitierende Faktor ist und bleibt hier nach wie vor der Strom. Aber beginnend mit Machbarkeitsstudien, ersten Entwurfskonzepten und Tests bis hin zur tatsächlichen Planung, Ausführung, Umsetzung und Inbetriebnahme bieten wir das alles aus einer Hand an.

00:19:07: Wir haben rund 200 Kolleginnen und Kollegen, die nur Datacenterplanung machen.

00:19:13: Also haben wir glücklicherweise den Zug ganz gut erwischt. Wo die Reise hingehen wird,

00:19:17: das wissen wir natürlich alle miteinander nicht.

00:19:19: Was uns im Moment sehr massiv beschäftigt, ist die aktuelle Novelle des UVP-Gesetzes.

00:19:23: Die, so wie sie aktuell aussieht, im Jänner nächsten Jahres in Kraft tritt und Datacenter ab 100 Megawatt beziehungsweise in

00:19:29: besonders schutzwürdigen Gebieten ab 50 Megawatt Anschlussleistung einer UVP-Pflicht unterzieht.

00:19:36: Ich glaube, notwendig ist es, weil – wenn man sich anschaut, wie viele Bauvorhaben sozusagen in der Einreichflut sind – man hier gewisse strengere Regulative einziehen müssen wird.

00:19:48: Aber klar ist auch, dass der Hunger nach Rechenleistung nicht kleiner wird.

00:19:53: Und das ist gut, glaube ich, wenn wir in Österreich auch die entsprechende Infrastruktur haben.

00:19:57: Da sind wir ein guter, verlässlicher Partner.

00:19:59: Aber du scheinst mir da noch sehr guten Mutes. Stichwort KI: AI wächst exponentiell.

00:20:05: Es gibt doch, denke ich, berechtigte Sorgen, dass die physische Verfügbarkeit von Energie und so weiter nicht Schritt hält.

00:20:11: Aber das heißt, du merkst bei euren Projekten jetzt noch keinen absoluten Engpass?

00:20:16: Es ist auch nach wie vor in Österreich gut möglich, die Grundstücke und die Ressourcen zu finden?

00:20:22: Also was ich nicht merke, ist ein abflauendes Interesse.

00:20:25: Was ich sehr wohl merke, ist, dass gewisse Spieler einfach nicht in den Markt hineinkommen, weil der schon gewisse klare Grenzen und einen unglaublichen Kapitalbedarf hat –

00:20:35: und gute Kontakte, die man haben muss.

00:20:37: Aber wenn du sozusagen ein etablierter Player bist, merke ich nach wie vor großes Interesse, hier tätig zu werden.

00:20:44: Was die Infrastruktur betrifft und auch die Strommengen, die verfügbar sind, bin ich voll und ganz bei dir:

00:20:49: Das wissen wir alle miteinander nicht.

00:20:51: Sind wir schon in einer Blase oder noch nicht?

00:20:53: Da bin ich, muss ich gestehen, zu wenig Profi. Aber wir merken es halt einfach von der Nachfrageseite her:

00:20:59: Da geht noch immer was.

00:21:01: Andrea Dissauer, neuerdings bei BUWOG. Liebe Andrea, gerade angekommen auf der Messe – trotzdem einen allerersten Eindruck,

00:21:09: vielleicht im Vergleich zum letzten Jahr?

00:21:10: Schwerpunkt ist ja Property Management und Hausverwaltung.

00:21:13: Irgendetwas, was jetzt komplett neu für dich ist?

00:21:17: Grundsätzlich nicht.

00:21:18: Die Verwaltung ist das Mastermind der Immobilie an sich. Ohne gut verwaltete Immobilien kommen wir auch nicht wirklich weiter.

00:21:29: Grundsätzlich freue ich mich auf den neuen Transformationsprozess, alles rund um KI. Ich bin wirklich gespannt, wo die Reise hingeht, wie wir vor allem in Österreich mitwirken können, und darauf freue ich mich. Ich

00:21:43: freue mich auch auf die vielen tollen Gespräche, die ich hier noch haben werde.

00:21:46: Dr.

00:21:46: Christoph Urbanek von Urbanek Real Estate GmbH.

00:21:51: Lieber Christoph, ich komme gerade aus einem Vortrag mit prominentem deutschem Podium.

00:21:59: Es wird nur von Krise gesprochen und wie schlimm alles ist.

00:22:01: Ich glaube, bei euch ist es ein bisschen anders, ihr seid fleißig am Investieren.

00:22:10: Wenn du das auch mit der Stimmung auf der Messe verbindest – wie siehst du das?

00:22:15: Ja, so wie du sagst: Die Stimmung auf der Messe ist schwierig.

00:22:18: Natürlich gibt es Krise, aber wir gehen nach dem Prinzip: In jeder Krise liegt eine Chance.

00:22:23: Wir versuchen, aus diesen Distress-Situationen dahingehend Kapital zu schlagen, dass wir für Investoren entsprechende Distressed Assets suchen – die wir auch finden, muss man ehrlicherweise sagen – und diese dann einer entsprechenden Sanierung und Verwertung zuführen.

00:22:40: Zum Thema Markt beziehungsweise Marktbericht: Es ist ja allgemein bekannt, ihr seid jetzt stark im Zinshausbereich unterwegs.

00:22:48: Wie entwickelt sich im Moment der Markt?

00:22:51: Gibt es genug Angebot, wo sind die Herausforderungen?

00:22:54: Angebot gibt es genug.

00:22:55: Es ist eher das gegenteilige Problem: Es gibt so wenig Käufer.

00:22:59: Das muss man auch ganz klar sagen. Das ist natürlich aufgrund der aktuellen Situation.

00:23:02: Sehr viele Entwickler sind entweder in der Krise, vielleicht sogar in Insolvenz, oder haben den Markt verlassen.

00:23:09: Also es gibt einfach nicht genug Käufer am Markt.

00:23:12: Dadurch ist das Angebot auch so stark, und dadurch sind die Preise gefallen, das muss man auch klar sagen.

00:23:18: Das ist für Investoren eigentlich eine sehr interessante Sache.

00:23:23: Ist das in Deutschland schon angekommen oder hier auf der Messe – diese speziellen Möglichkeiten, jetzt in Zinshäuser zu investieren?

00:23:30: Also wir versuchen hier, unser Geschäftsmodell zu bringen.

00:23:33: Das große Thema, das wir haben: In Deutschland gibt es keinen so starken Druck auf die Banken, wie wir ihn in Österreich haben.

00:23:41: In Österreich ist ja vor allem der Regulator sehr stark an die Banken herangetreten. Dadurch hast du in Österreich eine Situation, in der Banken insbesondere ihre Produkte loswerden wollen.

00:23:51: Wie wir hier jetzt auf der Messe merken, ist in Deutschland der Druck auf deutsche Banken weit weniger groß. Dadurch ist die Investmentopportunität in Österreich natürlich noch größer, weil ich diese Preise im Vergleich in Deutschland eher nicht sehe – eben weil es diesen Druck dort nicht gibt.

00:24:06: So, ich bin jetzt wieder im Outdoor-Bereich bei strahlendem Sonnenschein.

00:24:09: Da passt das natürlich ideal,

00:24:11: Karina Schunker von EHL zu treffen.

00:24:14: Liebe Karina, danke, dass du kurz Zeit hast.

00:24:17: Mittlerweile ist die Expo ja fast vorbei, kann man schon sagen. Kannst du schon so ein kleines Resümee ziehen?

00:24:24: Fast vorbei

00:24:25: ist vielleicht übertrieben. Es steht noch ein langer Tag bevor, aber ich freue mich sehr auf die Termine.

00:24:31: Resümee zur Expo:

00:24:33: Mein Eindruck ist, dass diesmal wieder etwas weniger Teilnehmer hier sind, aber es konzentriert sich trotzdem auf eine Vielzahl an Unternehmen.

00:24:41: Also die Unternehmen sind breit vertreten, aber vielleicht ein paar Leute weniger.

00:24:46: Sonst ist das Stimmungsbarometer durchwachsen.

00:24:50: Die einen sind nach wie vor optimistisch und treten auch sehr gut in Gespräche, um da wieder etwas voranzutreiben. Und dann gibt es wiederum die Gegenstimme: Wer weiß, was jetzt in den nächsten Wochen und Monaten auf uns zukommt –

00:25:04: vor allen Dingen auch hinsichtlich der Zinslandschaft.

00:25:06: Also ich würde sagen: Es ist und bleibt nach wie vor spannend. Und wir werden uns dann in einem Jahr wahrscheinlich wieder austauschen und darüber schmunzeln, worüber wir geredet haben, weil wahrscheinlich alles anders kommt, als wir es uns jetzt vorstellen.

00:25:20: So, endlich habe ich einen internationalen Investor gefunden, einen ehemaligen Kollegen:

00:25:24: den lieben Philipp Quester von Axel Logistics Germany GmbH.

00:25:29: Ich komme vielleicht auch auf die Marktsituation zurück.

00:25:32: Ein Kommentar dazu, wo wir im Zyklus im Moment stehen?

00:25:36: Also ich glaube, das Interessante ist: Man muss sich den Markt oder den Zyklus immer wie eine Uhr

00:25:40: vorstellen. Wenn wir sozusagen null Uhr als den Punkt nehmen, an dem Distress am höchsten ist – eine Krise kommt, wie etwa der Krieg in der Ukraine, die Finanzierungskosten in die Höhe schießen und so weiter –, dann ist

00:25:54: das null Uhr.

00:25:55: Dann gibt es sozusagen diese Phase: Bei null Uhr gibt es Fire Sales, die Bid-Ask-Spreads sind extrem hoch, es gibt keine Liquidität, weil niemand verkaufen will – außer diejenigen, die zum Verkauf gezwungen werden.

00:26:04: Dann haben wir diese Zeit von null bis drei Uhr.

00:26:07: Das ist ein Markt, in dem durch NPL-Verkäufe

00:26:12: etc. wieder ein

00:26:13: bisschen Transaktionsvolumen zurückkommt. Mit dem Unterschied, dass dieses Transaktionsvolumen sehr opportunistisch ist.

00:26:19: Das sind dann Investoren, die kaufen, weil sie sagen: „Ich werde mit diesem Deal nie Geld verlieren können, weil er so billig ist.“

00:26:24: Und dann kommt der Punkt, an dem wir meiner Meinung nach gerade sind, nämlich diese Uhrzeit von drei bis sechs Uhr. Wir sehen, dass es ein Recovery-Markt ist, aber es trotzdem noch Unsicherheiten gibt.

00:26:35: In unserem Fall wird das Transaktionsvolumen in der Logistik wieder relativ hoch.

00:26:39: Allerdings gibt es extrem viel Unsicherheit wegen politischer Spannungen, wegen des instabilen Zinsumfelds und wegen politischer Probleme in Europa.

00:26:47: Käufer wie wir werden einfach dafür bezahlt, dass viele Sachen noch immer unklar sind. Und das Spannende – und das ist der Grund, warum wir auch in diesem aktuellen Zyklus sehr aktiv sind – ist:

00:26:58: Du hast eine Entkoppelung vom Capital Market zum Occupational Market. Du siehst im Logistikbereich, dass gute Regionen unter einem Prozent Leerstand haben und dass du ein Mietwachstum von über fünf Prozent hast.

00:27:12: Gleichzeitig sind aber die Preise, die du aktuell zahlst, im Verhältnis zu den Replacement Costs in einer Situation, die für einen Value-add-Player wie uns extrem attraktiv ist, weil wir letztendlich Core-plus-Businesspläne zu Value-add-Returns kaufen können. Und das wird dann irgendwann – ich glaube allerdings, dass es deutlich länger dauern wird, als viele Leute glauben – wieder in die nächste Marktphase übergehen.

00:27:27: Ich glaube, dass wir noch sicher zwei Jahre in dieser Situation sein werden, in der wir jetzt sind. Irgendwann kommt dann aber auch institutionelleres Kapital wieder in den Markt. Dann kommen wir wieder Richtung Höhepunkt bei zwölf Uhr, wo die Fear of Missing Out da ist, jeder wieder investieren will und die Preise einfach extrem unattraktiv werden – und das Ganze dann irgendwann wieder platzt.

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